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unsere Chronik

Der Zehnkampf der Herren in Leipzig - Wie kam's?

 

Es wird wohl an einem kühlen Spätherbstabend anno 2007 im Wirtshaus „Johann S.” zu Leipzig gewesen sein, als die Gründungsväter des Zehnkampfs der Herren bei einem Kruge guten Bieres zusammen saßen. Etwas von Frust beseelt, man arbeitete in einem großen Leipziger Warenhaus und war vom Teamgeist einiger weiblicher Kolleginnen schwer enttäuscht und auch etwas vom Hopfensaft in Angriffsstellung getrunken, beschloss man, ein Schauspiel ins Leben zu rufen, welches die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte. Sodann entschied man sich auch gleich, wichtige Schlüsselpositionen in der Schaltzentrale der Macht dieses künftigen Leipziger Megasportereignisses einzunehmen. Und so kam es, dass die Turn- und Sportväter Schulze, Leisner und Melzer bis heute unangefochten den Vorstand einer sportlichen Fortsetzungsreihe bilden, die in ein paar Jahren, aus ihren Kinderschuhen entwachsen, sicherlich die Olympischen Spiele in ihren Schatten stellen wird.

Eine bis dato träge vor sich hin dümpelnde, sich ab und an mal auf einen gemütlichen Pokerabend treffende Gemeinde um die oben genannten Herren wurde Ende 2007 zusammengerufen, das neue gemeinsame Ziel wurde durch die drei leuchtenden Leitfiguren erläutert und man konnte sich mit Vorschlägen zwecks der gewünschten Veranstaltungen einbringen. Nach einigen abenteuerlichen und bierseeligen Vorschlägen wurden gängige und exotische Sportarten ausgewählt, in denen man die Kräfte messen wollte. Des Weiteren stand ein Wettbewerb auf dem Programm, der zu den sportlichen, hier ja leistungssportlichen Ansprüchen im krassen Gegensatz stand. Dazu später mehr. Aber wie vom Vorstand schon damals und auch noch heute veranschlagt: „Die Wettkämpfe dienen in erster Linie dem Spaß!!”

Und am 23. Januar 2008 war es dann endlich so weit. 16 feine Herren waren im ehrwürdigen Gemäuer „B 69” in der Leipziger Berliner Straße angetreten und starteten den allerallerersten Wettkampf - ein nunmehr jährlich wiederkehrendes Dartturnier. Damals noch im schnöden Zivildress mussten sich natürlich einige der Neukontrahenten kurz beschnuppern. Aber spätestens mit der vom Vorstand veranlassten und bei Verstoß unter Strafe gestellten Uniformierung der neuen Allroundleistungssportler, wurde eine Einheit geformt, die (bis auf einige Exoten) auch heute noch durch dick und dünn geht und allen teamresistenten Arbeitskolleginnen und weiteren Widrigkeiten trotzt. In ihren schicken Laibchen sorgten und sorgen die feinen Herren des Leipziger Zehnkampfs in und außerhalb ihrer Heimatstadt immer wieder für Furore und gebrochene Herzen.

Beispielhaft für den Facettenreichtum der durchgeführten Hochleistungssportreihe seien Topevents wie der „Steve-Davis-Cup” im Billard, die „Mikasa-Open” im Beachvolleyball, der „Bowling-Brunswick-Cup” oder die „Ur-Krostitzer-Bahnengolf-Open” genannt. Allesamt Klassiker des Leipziger Zehnkampfes. Einen jährlichen Höhepunkt bildet sicher der „Große Preis vom Muldental” im Kart fahren. Neben weiteren etablierten Breitensportarten werden aber auch sehr spezielle Veranstaltungen wie Paintball, Fußballtennis oder Sommerrodeln durchgeführt (letztere erlebten 2009 ihre Prämieren). Ein Highlight des Jahres 2008 sollte der letzte Wettbewerb im Dezember werden. Turmspringen stand auf dem Programm und die Vorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren als jäh die Absage eines hier nicht näher zu benennenden Bundestrainers, der den letzten Schliff in die Sprungtechniken bringen sollte, die Zehnkampflegenden erreichte. Der Vorstand, der im Gegenzug die Weihnachtsfeier des Leistungszentrums Wasserspringen der DHfK unterstützen wollte, entschloss sich, dieses Event nicht wieder auf den Veranstaltungskalender zu setzen. Zu fadenscheinig waren die Gründe der Absage. Eine andere Veranstaltung, die zwar „erfolgreich” durchgeführt wurde, musste aber trotzdem aus den weiteren Zukunftsplänen gestrichen werden. Beim Bierathlon im Juli war eine so sagenhaft hohe Totalausfallquote unter den Sportlern zu verzeichnen - einige Teilnehmer fanden nicht mehr aus eigener Kraft nach Hause - dass auch dieser Wettbewerb wohl nicht mehr wiederholt wird. Spaß ja, aber die Gesundheit der Sportler geht vor!

Der unbedingte Siegeswille und das extreme „über seine Grenzen hinausgehen”, was auch bei diesem Event zu Tage trat, war mit Sicherheit durch das ausgelobte Preisgeld am Jahresende bedingt. Dem Erstplatzierten winkten 2008 immerhin 180 Euro. Mit kleinen Abstrichen wurden Zweit- und Drittplatzierter bedacht.

Für das Jahr 2009 standen einige Neuerungen an. Da es bei Durchführung und Vorbereitung der Wettkämpfe keine ernstzunehmenden Komplikationen gegeben hatte - die meisten Events waren geradezu vorzüglich vorbereitet -, wurde natürlich nicht am Sockel des Vorstandes gekratzt. Dieser hatte sich nun seinerseits mit zahlreichen Neubewerbungen auseinander zu setzen. Durch den grandiosen Erfolg des Gesamtkonzeptes und die positive Stimmung, die bei den einzelnen Veranstaltungen im ersten Jahr immer wieder vorherrschten, standen etliche Bewerber auf dem Plan und wollten 2009 teilnehmen. Nach langen Beratungen im gesamten „Altstarterfeld” beschloss man, die Teilnehmerzahl auf 20 Athleten zu begrenzen, obwohl vermutlich der doppelte Rahmen hätte ausgeschöpft werden können. Ein vernünftiger Entschluss, da die Veranstaltungen an einem Tag im Kasten sein müssen, in der Regel aus Vor- und Finalrunde bestehen und sehr zeitintensiv sein können.

Mit den 7 „Neuen” (leider verließen 3 Akteure nach 2008 die Wettkampfarena) bestand/besteht der Zehnkampf Leipzig aus einem bunten Teilnehmermix aus Handel, Banken, Industrie, Handwerk, IT-Branche, Gastronomie, Hartz IV, Gesundheitswesen, Judikative, Exekutive und Studenten.

Weiterhin wurde im neuen Jahr an den Preisgeldern gefeilt. Der Gesamtsieger konnte nun 300 sagenhafte Euro einstreichen. Hinzu kam, dass bei jeder Einzeldisziplin Preisgelder vom ersten bis zum dritten Platz ausgeschüttet wurden. Diese immensen Ausgaben waren natürlich nur durch eine Teilnahmegebühr zu finanzieren, die am Jahresanfang erhoben wurde - beziehungsweise erhoben werden sollte! Man möchte beim Eintreiben der Gelder nicht in der Haut von Turnvater Schulze gesteckt haben, der sich mit der streckenweise katastrophalen Zahlungsmoral zu plagen hatte!!

Generell war im Jahr 2009 festzustellen, dass es einige Teilnehmer an Zuverlässigkeit vermissen ließen. Es ist nachzuvollziehen, gerade über den relativ langen Zeitraum von einem Jahr, dass nicht jeder Athlet zu jedem Wettkampf anreisen kann. Einige schwarze Schafe jedoch fehlten trotz langfristiger Zusage regelmäßig und schafften es zudem nicht einmal, sich im Vorfeld abzumelden bzw. sich zu entschuldigen. Dies war natürlich, in Hinblick auf die Wettkampforganisation bzw. Hotelreservierung, Gift für die Kalkulationen des Vorstands. Schade, dass die aktiven Athleten diese Schnitzer immer wieder ausbügeln mussten. Auf Grund des immer lauter werdenden Murrens musste der Vorstand schlussendlich die Notbremse ziehen und so kam es in der Geschichte des Leipziger Zehnkampfes zu einem bisher einmaligen Vorgang. Es wurden zwei Aktive, leider einer der alten ´08 er Stammbesatzung und ein ´09 er Neuling von den Wettkämpfen ausgeschlossen. Deren Plätze sind nun frei für 2010 und dem Zehnkampf kann frisches Blut zugeführt werden. Es bleibt zu hoffen, dass solche drastischen Zwangsmaßnahmen in Zukunft die Ausnahme bilden.

Wie es im Hochleistungssport nun leider einmal ist, blieben auch Verletzungen nicht aus. Zwei alte Haudegen - und dabei sei nicht nur auf die Zugehörigkeitsdauer sondern auch auf das Lebensalter abgestellt - verletzten sich so schwer, dass sie lange Zeit nicht teilnehmen konnten und danach auch erst langsam wieder im Wettkampfgeschehen mitmischen konnten. Die alten Knochen mussten dem hohen Leistungsniveau ihren Tribut zollen. Vorbildlich war in diesen Fällen, wie die homogene Zehnkampfeinheit, allen voran der Vorstand, reagierte.

Zum Abschluss des „Geschäftsjahres” bleibt festzuhalten, dass der Zehnkampf Leipzig 2009 einen weiteren, großen Satz nach vorne gemacht hat. Und auch für 2010 hat der Vorstand weitere Neuerungen ausgekocht, um das Wettkampfgeschehen noch interessanter zu machen (festgelegte Teams, einmalige Verdoppelung der Punkte, Endrundenauslosung am Wettkampftag etc.). Die Disziplin Paintball wird nicht mehr vertreten sein. Bleibt abzuwarten, was dafür in die Zwölferliste rutscht.

Für 2010 sind leider vier Abgänge zu verzeichnen. Drei der ganz alten Zehnkampflegenden und ein ´09erling räumen aus beruflichen oder privaten Gründen das Feld. Den vier Sportfreunden für ihr weiteres Schaffen alles Gute. Die Plätze waren schnell gefüllt und wir begrüßen vier neue Athleten, die mit uns die Kräfte messen wollen. Wir schmettern Euch ein „Herzlich Willkommen” entgegen.

Mit den besten Wünschen für ein sportives 2010 ohne Verletzungen und Erkrankungen an die ganze Zehnkampfkommune.

 

Männer-Runde startet Zehnkampf 2010
Quelle: Leipziger-Volkszeitung; http://www.lvz-online.de; 22.01.2010

 

Leipzig, im Dezember 2009 Posted by Vati